„Sounds of Palestine“ ist mehr als eine Musikschule. Inspiriert vom venezolanischen Konzept „El Sistema“ hat Katja Eckardt das Angebot vor zehn Jahren als Sozialprojekt in Bethlehem initiiert. Mittlerweile kommt es 260 Kindern aus Flüchtlingslagern zugute. Sie erfahren Musik, erlernen ein Instrument, essen, spielen und singen gemeinsam. Sie erleben, wie man für sich selbst und zusammen Ziele entwickelt und dass man Energie einsetzen und dranbleiben muss, um u.a. zu erfahren, wieviel Freude ein Konzert macht, nicht nur im gemeinsamen Tun, sondern auch in der Begegnung mit dem Publikum.

Zum Lernfeld von Sounds of Palestine gehört, aufeinander zu hören, zu kooperieren, miteinander zu reden und Meinungsunterschiede und Konflikte gewaltfrei anzugehen – ganz im Gegensatz zu dem, wovon die Kinder in ihrer patriarchalen Kultur geprägt sind und was sie angesichts der Zwischenfälle im israelisch-palästinensischen Grenzgebiet fast täglich neu erleben. Das mittlerweile 14-köpfige palästinensische Fachteam hat in den letzten beiden Coronajahren einmal mehr bewiesen, wie stark es von der Kraft des ganzheitlichen Konzepts von „Sounds of Palestine“ erfüllt und überzeugt ist. Die Musiklehrer*innen und Sozialpädagog*innen spüren immer deutlicher, wie ihr Zusammenwirken zu einem langfristigen sozialen Wandel beiträgt. Eine 12-jährige Kontrabass-Schülerin beschreibt es so: „Ich habe gelernt, wirklich alle Menschen zur respektieren, auch wenn sie ganz anders sind als ich.“

In einem Land mit so wenig Zukunftsperspektiven ist die Erfahrung eines tragfähigen WIR eine wesentliche Voraussetzung, um überhaupt an die Möglichkeit einer sinnvollen Zukunft zu glauben und zu erkennen, dass diese damit beginnt, Verantwortung für sich selbst und sein Umfeld zu übernehmen. Indem die Einzelnen in ihrer Einzigartigkeit und Selbstwirksamkeit ernstgenommen und in ihrer Resonanz mit den anderen gestärkt werden, wächst das Bewusstsein für die nährende Kraft des WIR.
Neben den musikalischen Aktivitäten ermöglichen Gesprächsrunden und teambildende Spiele, sich persönlich einzubringen, die eigene Meinung zu äußern und die der anderen wahrzunehmen und zuzulassen. Verschiedenheit erweist sich so weit weniger als Quelle für Konflikte, denn als Potenzial, sich gegenseitig konstruktiv zu ergänzen. Dies geschieht auch im Zusammenwirken der unterschiedlichen Altersgruppen, die vom Kindergartenalter bis zur Pubertät reichen. Musik ist ein tragendes Medium: wer musikalisch schon etwas weiter ist, nimmt die Jüngeren mit und lernt, wie die eigene Mithilfe nicht nur dem konkreten Gegenüber, sondern dem gemeinsamen Ganzen dient.

Freude macht es zu sehen, wie modellhaft Projektmanager Saher Khair solche Erfahrungen mit seinem partnerschaftlichen Führungsstil im Team selbst fördert und damit die gesamte Grundatmosphäre der Musikschule prägt. Ihm ist es wichtig, dass junge Menschen für ihre Zukunft aufstehen und hinstehen können, gerade in einem Land, das nun schon in der 3. Generation auf permanente Hilfe von Aussen angewiesen ist. Der darin verborgenen Verführung zur Passivität will er etwas entgegensetzen: die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Es geht darum, den je eigenen Beitrag fürs Ganze zu erkennen und zu leben: was dem Leben dient und was anderen dient, dient immer auch mir. Denn ich bin ein Teil des gemeinsamen Ganzen.

Sibylle Ratsch, ktw

 

Sounds of Palestine wird ausschließlich über Spenden finanziert. Deshalb danken wir schon jetzt für jeden Beitrag an das Katharina-Werk, Stichwort „Sounds of Palestine-KL-4-2022“

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