Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Glück.

Durch unsere bewusste Entscheidung, uns dem zuzuwenden, was gut ist in unserem Leben, steigern wir die Wahrscheinlichkeit auf ein glückliches und erfülltes Leben enorm.

Nicht die Glücklichen sind dankbar.
Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.
Francis Bacon

Um immer mehr in eine Haltung der Dankbarkeit hineinzuwachsen, gibt es einfache spirituelle Übungen. Dazu zunächst eine kurze Geschichte:

Es war einmal eine alte und weise Frau. Sie verließ ihr Haus nie, ohne vorher eine Handvoll Bohnen in ihre rechte Jackentasche zu stecken. Das tat sie nicht, um die Bohnen unterwegs zu essen, sondern um so die schönen Momente ihres Lebens besser zählen zu können.
Für jede Kleinigkeit, die sie tagsüber erlebte – zum Beispiel einen netten Schwatz auf der Straße, ein lecker duftendes Brot, einen Moment der Stille, das Lachen eines Menschen, das Zwitschern eines Vogels – ließ sie eine Bohne von ihrer rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren es auch zwei oder drei Bohnen auf einmal.
Abends saß die Frau zu Hause und zählte genüsslich die Glücksbohnen aus ihrer linken Jackentasche. So machte sie sich nochmal bewusst, wie viel Schönes sie an diesem Tag erlebt hat und sie freute sich darüber. Auch an Abenden, an denen sie nur eine einzige Bohne zählte, war der Tag für sie ein glücklicher Tag – es hatte sich gelohnt, ihn zu leben.
(von: unbekannt)

Das Beispiel dieser weisen Frau kann uns dazu anregen, positive Erlebnisse bewusster wahrzunehmen, im Gedächtnis zu behalten und wertzuschätzen. Vielleicht mag ich mich auch auf eine Zeit ganz bewusster Achtsamkeit einlassen, ein paar weisse Bohnen mit mir tragen, um sie in Momenten der Dankbarkeit in die Tasche wechseln zu lassen und sie am Ende des Tages nochmals  nachhaltig zu geniessen.

Doch können wir denn auch dankbar sein, angesichts all der schrecklichen Dinge, die Einzelnen und Völkern widerfahren? David Steindl-Rast beantwortete diese Frage neulich so: Wir können in all diesen Geschehnissen immer etwas Neues lernen. Wenn wir diese Gelegenheit für uns entdecken, haben wir Grund zu danken. Und diese Dankbarkeit gibt uns eine neue Kraft und Ausrichtung.

„Dankbarkeit heißt, den gegebenen Augenblick und jede gegebene Gelegenheit als Gabe, als Geschenk, wahrzunehmen. So wachen wir auf zu einer neuen Lebendigkeit“  (David Steindl-Rast)

Zusätzlich zu den weissen Bohnen habe ich mir auch schwarze Bohnen besorgt:
Ich forsche mit ihnen auch in den schmerzhaften und herausfordernden Situationen im Alltag nach, in denen ich mit der Dankbarkeit noch Mühe habe. Ich lasse mir Zeit, behalte die schwarze Bohne bei mir, bis ich die Bedeutung für mein Leben entschlüsselt habe. So nähre ich mein Vertrauen ins Leben.

Eine andere Möglichkeit ist ein Glückstagebuch zu führen, d.h. jeden Tag drei Dinge aufzuschreiben, für die ich dankbar bin. Wenn es mir einmal nicht so gut geht, hilft das Lesen in diesem Tagebuch, um mich daran zu erinnern, wieviel Glück  und Grund zur Dankbarkeit ich habe. Das hilft beim Perspektivenwechsel.

Sylvia Laumen

Die Statistiken entwickeln sich hoffnungvoll. Doch Covid 19 behält uns fest im Griff. Jetzt richtet sich der Blick auch auf die unermesslichen Langzeitfolgen der Pandemie im gesellschaftlichen und weltweiten Zusammenleben. Klimawandel, Hungersnöte, Kriege und der drastische Anstieg an Menschenrechtsverletzungen kommen bedrängend hinzu. Die meisten von uns haben hierzulande ein sicheres Dach über dem Kopf, genug Essen, Kleidung sowie soziale und demokratische Sicherheit. Trotzdem breitet sich eine tiefe Not aus. Denn vieles, was einst als sicher galt, ist unsicher geworden. Was ist da NOT-wendig?

Mir kommt es so vor, als schreie unsere Erde immer lauter nach Aufmerksamkeit und einem grundlegenden Wandel. Dieser kann nur beim Einzelnen beginnen und sicher am ehesten bei denen, die dafür genug Raum haben, weil sie nicht um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen. Doch: habe ich, haben wir dazu eine klare Vision und das nötige Vertrauen? Glaube ich, dass jeder noch so vermeintlich kleine Beitrag zählt? Kann ich mir vorstellen, dass ich im Umgang mit meinen ganz konkreten alltäglichen Herausforderungen etwas Neues lernen und in ein Bewusstsein wachsen könnte, das dem globalen Wandel nützt? Ja mehr noch: dass dieser mir mögliche Beitrag  unverzichtbar ist?

Im Katharina-Werk sind wir auf dem Hintergrund unserer evolutiven Spiritualität schon seit langem auf dem Weg, uns unseren möglichen Beitrag für Menschheit und Erde bewusst zu machen. Und mit vielen von Ihnen, liebe Leser*innen wissen wir uns in diesem Anliegen verbunden. Gern teilen wir wieder unsere Erfahrungen, Hoffnungen und ein paar neu entdeckte Praxiswege. Hildegard Schmittfull zeigt auf, wie wachsendes Bewusstsein Kraft und Zukunftshoffnung freisetzen kann. Aus Verbundenheit wächst Hoffnung. Dass Videoformate zu überraschenden Oster-Erfahrungen führen, berichtet Maja Pfaendler und Sylvia Laumen kommt biblisch inspiriert zur Erkenntnis: „Wir müssen der Kirche auf’s Dach steigen!“. Lisa und Norbert Lepping beschäftigen sich mit seelischem Hunger und Katharina Burgdörfer zeigt auf, wie heilsam gerade deshalb Gastfreundschaft ist.

Sylvia Laumens spiritueller Impuls regt zu kleinen Übungen im Alltag an, bezugnehmend auf das von Bruder David Steindl-Rast initiierte internationale Netzwerk www.dankbar-leben.org.

Wir haben auch wieder ein paar Veranstaltungshinweise und nicht zuletzt bitten wir darum, uns mit Spenden zu unterstützen. Diesmal wollen wir sie ausdrücklich dem weiteren Ausbau unserer Angebote zur Einübung von Verbundenheit und spirituell-politischer Bewusstseinsentwicklung widmen. Die Weiterentwicklung in digitale und hybride Formate bringt einige Neuinvestitionen mit sich. Ob materiell oder ideell, wir freuen uns über jede Unterstützung in der Hoffnung, dass wir im Sinne Mahatma Gandhis selbst die Veränderung werden, die wir uns für die Welt wünschen.

Vergesst nicht, gastfreundlich zu sein

„Vergesst nicht, gastfreundlich zu sein. Auf diese Weise haben manche, ohne es zu wissen, Engel beherbergt“ so steht es im Hebräerbrief in Erinnerung an die Erzählung von Abraham und Sarah, die drei Gottesboten bewirtet hatten.

Das klang für mich mit, als Bundeskanzlerin Merkel 2015 sagte: „Wir schaffen das“ und damit meinte, wir Deutschen hätten genügend Gastfreundlichkeit, um Flüchtlinge aufzunehmen – auch wenn es auf einmal sehr viele waren. Wir haben einiges geschafft, vor allem haben die Geflüchteten es geschafft: Arbeit zu finden, neben uns zu wohnen, sich an unsere Gepflogenheiten anzupassen. „Müllheim ist bunter geworden“, sagte unsere Bürgermeisterin angesichts der vielen dunkelhäutigen Menschen aus Afrika in unserem Städtchen. Umso trauriger, dass sich europaweit so heftige Widerstände gegen diese Gastfreundschaft aufgebaut haben.

Und 2020 und 2021 konfrontierte uns dann die Pandemie mit ihren massiven Einschränkungen. Plötzlich wurde es unmöglich, sich gegenseitig unbeschwert zu treffen, zu besuchen, miteinander zu feiern. Was hat das ausgelöst? Gefühle von Ausgeliefertsein oder der Eindruck, in Ängsten allein gelassen zu sein? Misstrauen gegenüber „denen da oben“, seien es PolitikerInnen oder medizinische Fachleute? Oder Widerstand und Verweigerung gegenüber verordneten Hygiene- und Abstandsregeln?

Auf jeden Fall sind wir alle herausgefordert worden, unsere als selbstverständlich angenommenen Gewohnheiten im Umgang miteinander zu hinterfragen und zu überprüfen. Viele von uns haben herausgefunden, dass weniger auch mehr bedeuten kann. Treffen per Internet – oft zunächst eher befremdlich – entpuppten sich als eine wertvolle neue Möglichkeit. Zugleich spürten wir alle, dass sie kein vollwertiger Ersatz sind. Das Bedürfnis nach realer Begegnung wurde sogar gestärkt und wir konnten die damit verbundene Qualität bewusster wahrnehmen.

Der Ausnahmezustand die Pandemie hat uns gezeigt, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind, wie schlimm es sich anfühlt, beim Essen im Zimmer „eingesperrt“ zu sein, statt mit anderen am Tisch zu sitzen, ja womöglich tagelang mit niemanden unmittelbare reden zu können.

Gemeinsames Essen und Trinken ist ein nicht weg zu denkendes Merkmal aller Feste und Feiern, ob im kleinen oder großen Kreis. Daran erinnert das Abendmahl. „Ich habe mich so danach gesehnt, mit Euch das Passahmahl zu essen“ sagte Jesus, bevor er sich auf den schweren Weg in sein Sterben begab. Mich hat diese Offenlegung seines Nähebedürfnisses immer sehr berührt. Vielleicht sollten wir das christliche Ritual unserer Mahlfeier nochmal neu mit der Frage verbinden, was Jesus uns über Nähe und Verbundenheit – Kommunion eben – sagen wollte.

Gastfreundschaft bedeutet in jedem Fall viel mehr als miteinander essen und trinken. Sie ermöglicht Begegnung, Austausch, das sich Öffnen für andere und das ganz Andere. Neue Perspektiven entstehen. Was uns fremd war, kann uns vertraut werden und vielleicht auch etwas davon ahnen lassen, was uns in der Tiefe über alle Verschiedenheit hinweg verbindet. Auf diese Weise werden uns andere zu Engeln, ganz im Sinne von Phil Bosmanns: „Ein Engel ist jemand, den Gott Dir ins Leben schickt, unerwartet und unverdient, damit er Dir, wenn es ganz dunkel ist, ein paar Sterne anzündet.“
Doch wir müssen dafür offen, innerlich frei, „gastfrei“ sein, wie es uns das eingangs zitierte Bibelwort in einer anderen Übersetzung nahelegt.

Katharina Burgdörfer

„Man muss spüren, wann der Magen Hunger hat und wann die Seele …“

Ein ausgewählter Artikel aus unserem Rundbrief – die weiteren Newsletter-Artikel sind im Kiosk zu finden …

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„Wir müssen der Kirche aufs Dach steigen ….“
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«Sogar die grösste Bedrohung, die gerade über die Menschheit heraufzieht, ist eine positive Gelegenheit. (…)  Meinen Optimismus habe ich als demütige Schülerin unseres lebenden Universums, unserer lebenden Erde entwickelt und immer wieder bestätigt gefunden. Unsere lebendige Erde zeigt uns den Weg aus unserer Pubertätskrise in eine reife, globale menschliche Zukunft. Deshalb wiederhole ich, dass die grössten Krisen, denen wir gegenüberstehen, die wundervollsten Herausforderungen und unsere grössten Gelegenheiten sind, um die Welt zu erschaffen, von der wir träumen.»[1]

Solche eine hoffnungsvolle, ich möchte fast sagen, prophetische Stimme ist Elisabeth Sathouris, eine amerikanische Evolutionsbiologin und Zukunftsforscherin, die mich bereits mit ihren Forschungen vor 30 Jahren beeindruckt hat. Weiterlesen