Soll ich – soll ich nicht? Kann ich es wagen hinüberzusteigen – kann ich nicht? Diese seltsame Gestalt zögert (noch). Sie traut sich offensichtlich (noch) nicht, ihren nächsten großen Schritt zu tun. Nicht nur, was ihr im Weg steht, vielmehr das, was sie gerade sieht,  scheint sie so sehr zu bannen, dass es sie hindert, sich überhaupt nur zu bewegen. Paul Klee zeichnete dieses Wesen 1939, als für ihn politisch und auch gesundheitlich existenziell bedrohlich dunkle Wolken aufzogen und sein Vertrauen ins diesseitige Leben brachen.

Manchmal, besonders beim Nachrichtenhören, kann ich dieses Lebensgefühl nachempfinden, das mir aus diesem zusammengekauerten Wesen entgegenkommt: nämlich, wenn sich in mir Angst breitmacht, die meinem Vertrauen ins Leben und in eine gute Zukunft im Weg steht. Ich habe Angst vor Gewalt und Hass, vor Menschenverachtung. Angst um mich selbst, Angst um andere, die Kinder, die Erde, unsere Demokratie. Eigentlich um uns alle. Irgendwie scheint so vieles derzeit instabil und unsicher. Im Klima wurden offensichtlich mehrere Kipppunkte, „points of no return“, schon überschritten. In der großen Politik scheinen Wahrheit, Recht und Anstand oft keinen Wert mehr zu haben; immer wieder neue fake news und Gewalt-Eskalationen. Die große „Vertrauenskrise“ hat wohl auch mich ergriffen -längst nicht mehr nur gegenüber den Kirchen, sondern auch gegenüber anderen Systemen. Besorgt halte ich Ausschau nach Vernunft und Menschlichkeit im großen Miteinander:  Werden wir „es schaffen“? Wie weitergehen?

Angst – da bin ich entschieden – soll nicht mein Leben bestimmen. Auch wenn ich ihr ein „Wohnrecht“ einräumen will in mir, möchte ich ihr etwas entgegensetzen. Um handlungsfähig zu bleiben, um meinen Lebensmut und meine Lebensfreude nicht zu verlieren, möchte ich mir und anderen Gutes zutrauen – was auch immer kommt. Ich möchte als Subjekt würdevoll umgehen können mit dem, was auf uns zukommt und weiß, ich bin Teil davon. Dabei hilft mir, immer wieder Abstand zu gewinnen zur Angst, nach dem Motto: „Ich habe Angst, aber ich bin mehr als meine Angst.“ Das habe ich in unsrer Gemeinschaft gelernt zu sagen. Wir dürfen nie damit aufhören, uns das auch gegenseitig zuzusprechen und zuzutrauen.

Vertrauen kann ich nur in dem Maße gewinnen, wie ich es auch schenke; Vertrauen, „dieses schwerste ABC“, wie Hilde Domin es nennt. Vertrauen verleiht Flügel, solange wir seine Sprache fließend beherrschen und uns überlassen können. Aber in Krisen kann Vertrauen zerbröseln und wir müssen neu erlernen, es in diese neue Situation hineinzubuchstabieren. Ganz gleich, ob es mein Selbstvertrauen betrifft oder das Vertrauen in andere; ob in die Welt oder in Gott.

Solange wir leben, werden wir vor immer neue Herausforderungen gestellt und an immer neue Grenzen. Bis zum letzten Atemzug haben wir Gelegenheit, dieses wundervolle und zugleich schwierige, kraftvolle Alphabet zu buchstabieren.

Paul Klee nennt seine Zeichnung „Letzter Erdenschritt“. Diesem seltsamen vogelartigen Engels-Menschen geht es um sein letztes Hineingehen in eine ungewisse Zukunft.

Wie bei einem Vogel, der fliegen lernt, erweist sich auch bei uns immer erst mit dem Verlassen oder auch Hinausgeworfen-Werden aus dem vertrauten Nest, ob unsere Flügel tragen und ob wir ihrem Zusammenspiel mit den Winden trauen können- angesichts unserer Angst.

Vielleicht ist es ja so, dass auch die heilige Geistkraft darauf angewiesen ist, dass wir unseren Absprung wagen, damit sie wehen und uns mit ihrem Geistwind tragen kann.

Lisa Lepping

 

 

Bild aus: bald flügge. Gedichte zu den Engelbildern Paul Klees. Fromm Verlag 2026.  Lisa Lepping (Hg.) zusammen mit Norbert Lepping, Renate Put und Hans-Jakob Weinz

Das Buch kann hier bezogen werden: Zum Verlag

Ich blicke staunend auf mein Leben. Persönlich lebe ich in einem Beziehungsnetz, in dem ich mich getragen und verbunden fühle. Es geht mir gut. Im Vergleich zu vielen anderen weiss ich mich privilegiert. Kollektiv gesehen leben wir in einer Welt der Ungewissheit. Es ist diese Gleichzeitigkeit, die mich erschüttert.

Wer hätte noch vor einem Jahrzehnt gedacht, dass wir einmal in solch verunsicherten Zeiten leben würden: Nicht wenige Länder werden von Autokraten regiert, die nur eigene nationale Interessen im Blick haben. Die gehäuften politischen Rechtsbewegungen zeugen von grosser Angst der Menschen vor der Zukunft. Die globale ökologische Krise und verheerende kriegerische Auseinandersetzungen, nicht nur in Afrika und im Nahen Osten, sondern nun auch in Europa und der westlichen Welt reichen in ihren Wirkungen immer spürbarer in unsere Gesellschaften hinein.

Wir leben in einer verwundeten Welt! Die Frage ist: schotten wir uns ab vor dieser Wirklichkeit oder haben wir den Mut, uns von diesen Wunden berühren zu lassen? Radikaler gefragt: Lassen wir uns von den Entwicklungen unserer Zeit dazu herausfordern, völlig Neues zu lernen und noch ungeahnte Wachstumsschritte in uns geschehen zu lassen?

In Krisenzeiten können wir uns entweder verengen oder uns entscheiden zu wachsen. Wie schaffen wir es, angesichts von Not und Leid nicht gleichgültig zu werden oder zu erstarren, sondern in eine grundlegend lebensdienliche Ausrichtung hineinzufinden und nicht zu verlieren, dass wir Teil des Ganzen sind? «Wenn ich auf die Geschehnisse der Welt sehe, habe ich immer das Gefühl, ich tue nicht genug», sagt mir eine Freundin, mit der ich über die Weltsituation im Gespräch bin.

So sehr ich diese Ohnmacht kenne, spüre ich, dass es aktuell nicht in erster Linie um vieles Tun geht, sondern um die Art und Weise, in der Welt zu sein. Alles, was ich denke und tue, kann ein Beitrag zum Frieden sein und dem Leben dienen. Dieses Energiefeld will ich stärken. Dafür habe ich Verantwortung zu tragen. Niemand von uns kennt die fertige Antwort für die Lösung unserer kollektiven Probleme. Wir können nur tastend und vertrauend voranschreiten.

Wir sind nicht allein

Für mich ist die Erkenntnis grundlegend, dass Gott präsent ist. Wir sind nicht allein, im göttlichen Geheimnis sind wir verbunden mit allem, was existiert. Das schliesst auch die geistige Welt mit ein und lässt uns hörend vertrauen, dass das Leben weitergeht, und dass wir in all unseren Bemühungen unterstützt sind und in allem ein Sinn aufleuchten will. Diese Gewissheit schenkt innere Freiheit, uns für das zu öffnen, was auf uns zukommt.

Viele unserer persönlichen, aber auch unsere kulturellen und globalen Konflikte zeigen, wie oft traumatische Verhärtungen jeder kreativen Lösung im Wege stehen. Es gibt aber auch eine Dynamik der Auflösung dieser Verhärtungen. Ein Schlüssel zu dieser Dynamik heißt: Dialog und Beziehung. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft entfaltet hierbei ein besonderes Potenzial: füreinander Sorge hegen, Verantwortung teilen, Konflikte austragen, Nöte zulassen, Entscheidungen zum Wohle des Ganzen treffen, miteinander beten, feiern und immer wieder Neues lernen.

Genau das erlebe ich in unserem Miteinander im Katharina-Werk. Ähnlich wie viele andere gemeinschaftliche Netzwerke stärkt uns die Überzeugung, dass wir im Üben eines achtsamen Umgangs mit uns, mit den anderen und mit unserer Erde einen wichtigen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten. Das Aushalten von Durststrecken, aber auch die Erfahrung von Heilung und Versöhnung wird möglich, wenn wir miteinander entdecken, wie wir bis ins hohe Alter Lernende bleiben und wie uns in Resonanz mit den Anderen, mit Gott und mit der Welt unerwartete Kräfte aus dem geheimnisvollen Netzwerk des Lebens zuwachsen.


Hildegard Schmittfull, ktw,
Jahrgang 1945,
Kontemplationslehrerin der Via Integralis

 

Spiritueller Impuls

Esprit ist da, wo etwas erfrischend, spritzig und beflügelnd daherkommt. Aber wann und wie ist das der Fall? Und: steckt dahinter immer auch etwas Heiliges, ein Saint Esprit?

Für mich sind es oft Lieder. Von Klein auf bis heute wurde und wird in meinem Umfeld viel gesungen. Musik bringt mich in Resonanz. Mein über Jahrzehnte angesammeltes Lied-Repertoire ist wie ein Schatz, den ich jederzeit abrufen kann. Manchmal wird er sogar von allein aktiv. Wenn mich etwas sehr beschäftigt, vielleicht sogar bedrängt und bedrückt, kann es passieren, dass in mir auf einmal eine Melodie zu singen beginnt. Wenn ich ihr nachgehe und den Text wachwerden lasse, erkenne ich eine Botschaft, einen Trost vielleicht oder eine Perspektive, eine Einsicht,  wie es weitergehen könnte.

Diesen Esprit-Kanal kann ich nicht von mir aus einschalten. Die Lied-Botschaft fällt mir unerwartet zu – ein Geschenk, das ich achtsam, dankbar, oft auch staunend annehme. Ähnlich ist es mit dem rechten Wort eines Mitmenschen zur rechten Zeit. Darüber hinaus geben mir auch Sinngeschichten, kurze Sprüche oder Bilder Esprit. Die kann ich aktiv in mein Leben „einbauen“. Ich kann bewusst die Bibel oder ein anderes für mich nährendes Buch aufschlagen. Oder ich  platziere in meinem Büro gut sichtbar eine Spruchkarte oder ein Foto. Ab und zu sammelt sich aber viel zu viel davon an. Dann gilt es, auszumisten, Prioritäten zu setzen. Momentan ist es die Karte mit einem Zitat von Ruth Cohn: „Wie mache ich das heute, dass ich gerne lebe?“

Vielleicht gibt es auch für Sie solche Sätze oder Momente mit Esprit. Etwas, was Sie im Alltag beflügelt, Sie vielleicht sogar daran erinnert, dass Sie Teil von einem geheimnisvollen größeren Ganzen sind, das Sie zu Ihrem Ja in allem Lebendigen lockt. Welcher Empfangskanal ist Ihnen vertraut? Lohnt es sich eventuell, jenseits des Unplanbaren wieder einmal bewusst einem guten Gedanken die Türe zu öffnen oder nach Innen lauschend einer stärkenden Melodie Gehör zu schenken? Von Herzen wünsche ich Ihnen inspirierende Momente und Begegnungen!

Sibylle Ratsch, ktw

Einen Neustart haben auch wir Älteren hinter uns. Fast genau vor einem Jahr sind wir aus der Runde der ktw-Ältesten in das neu gebaute Haus, das auf unserem Boden steht, eingezogen.  Das Generationenhaus Neubad (GHN)ist für uns sieben Schwestern unsere letzte Wohnstätte. Es ist eine grosszügig eingerichtete Institution für Jung und Alt mit vielfältigen Angeboten.

Mir gefällt es gut hier, ich fühle mich gut aufgehoben. Wenn ich durch den Haupteingang ins Haus komme, begrüssen mich die beiden Engel, die mich schon im Eingangsbereich des Katharina Werks begrüsst haben. Gehe ich durch den Hintereingang, begegne ich der Glocke aus unserer ehemaligen Kapelle, die uns jeweils um 12.00 Uhr zum Mittagsgebet läutete. Jetzt ist sie leider stumm, doch wenn dann mal alles fertig ist, kann man sie vielleicht auch hier wieder läuten hören.

Auf dem Gelände nebenan entstehen zur Zeit auf dem Grund des inzwischen abgebrochenen alten GHN noch zusätzliche Alterswohnungen. Von 1923 bis 1973 war dort einmal unser Katharinaheim. Ich finde es toll, dass wir unseren Boden zum Bauen des GHN zur Verfügung gestellt haben.

Aus meinem Zimmer im sechsten Stock habe ich eine fantastische Aussicht. Fast jeden Abend erlebe ich einen wunderschönen Sonnenuntergang. Manchmal macht er mir auch etwas Angst, wenn ich daran denke, was alles so in der Welt passiert.

Bewohnerin im GHN zu sein ist schön, aber Mitbewohnerin zu sein, ist nicht immer leicht. Ich habe das Glück, einen guten Kontakt zum Personal zu haben, und ich darf auch die Post auf den 6 Wohngruppen verteilen. Das bringt Kontakte. Besucher finden leider nicht oft den Weg hierher. Alle unsere Mitschwestern habe Freude an Besuchen. Sollte sich jemand angesprochen fühlen, dann sage ich: herzlich willkommen!

Elisabeth Furrer, ktw

Runderneuerung nach sieben Jahren? Ein bisschen fühlt es sich so an, nachdem wir Ende April unseren Gemeinschaftssitz vom Pfarrhaus Allerheiligen in die Thiersteinerallee 49a verlegt haben. Nicht freiwillig war das, aber sehr inspirierend.

Einschneidend war für uns bereits, 2017 unser großes Gemeinschaftshaus an der Holeestrasse zu räumen. Doch es war stimmig, sich zu verkleinern. Wir „Katharinen“ wohnten ja längst schon verstreut an vielen Orten in der Schweiz und in Deutschland. Und das benachbarte Generationenhaus Neubad suchte händeringend  nach Platz für seinen Ausbau. So zogen wir weg von unserem Gründungsort an der Holeestrasse, hinüber in das einige hundert Meter entfernte, geräumige Pfarrhaus der Allerheiligenkirche.

Ein letzter Blick auf die Neubadstrasse 95 – das Pfarrhaus Allerheiligen …

Behutsam, aber klar kam dann von unserem Vermieter, der RKK Basel, die Nachricht, dass das Haus neuen Zwecken zugeführt werden soll. Wohin jetzt? In der langen Suchbewegung begann sich schon Verzagtheit breitzumachen. Da tat sich die Lösung auf: das Sigristenhaus im Kirchhof der Heiliggeist-Pfarrei an der Thiersteinerallee. Ein Haus mit Atmosphäre an einem gewachsenen, lebendigen Ort, umfriedet von Kirche, Pfarrhaus und dem Pfarrei-Zentrum l‘Esprit.

Der Umzug war erneut eine Mammutaufgabe und das Einrichten vor Ort brauchte viel Zeit, Geduld und Tatkraft. Wir hatten nicht nur  über hundert Jahre Gemeinschaftsgeschichte im Gepäck, sprich im Archiv, sondern auch die Aufgabe, im dezentralen Wohnen und Leben unserer Mitglieder einen lebendigen Kristallisationspunkt zu erhalten. Wieder galt es,  Möbel und Inventar zu reduzieren und doch sicherzustellen, dass neben Büro und Infrastruktur wenigstens ein paar Übernachtungen vor Ort möglich bleiben und dass trotz der begrenzten Räume nicht nur unsere  internen Arbeitsgruppen weiter gern kommen, sondern auch andere Gruppen, alle Weggefährt*innen und Interessierten, die  unsere Kontemplationsangebote, Wüstentage, Offenen Abende, Exerzitien im Alltag etc. besuchen.

Wie hell und weit ist nun das Haus geworden, wie einladend der Gruppenraum und der Garten, wie bergend die Atmosphäre im Kirchhof, wie ermutigend die Gastfreundschaft der Pfarrei. Wir spüren Aufbruchsfreude, fühlen uns wohl, freuen uns, wie wunderbar die RKK alles nochmal renoviert und uns einen so wunderbaren Ort anvertraut hat – ein Ort, der den Heiligen Geist bei sich zuhause hat, eine aufbruchsfreudige Pfarrei, ein Ort mit Esprit.

Wer neugierig ist, mal bei uns reinzuschauen, ist herzlich eingeladen zum Nachmittag der Offenen Tür am 24.8.2024 um 14 Uhrin die Thiersteinerallee 49a. Es wird Begegnungen bei  Kaffee und Kuchen geben und in einer gemeinsamen Gebetszeit um 16 Uhr.

Erste Eindrücke gibt es auch schon hier:

Sibylle Ratsch, ktw

 

Gedenkfeier im l’Esprit

Gut 90 Leute haben sich auf Einladung der Kontemplationsschule Via Integralis am 14. Juli im Pfarreizentrum l’Esprit in Basel eingefunden. Auf den Tag genau zehn Jahre nach ihrem Tod hat Pia Gyger dort einmal neu viele Menschen zusammengebracht.
Manche von ihnen habe ich das letzte Mal vor 20 – 30 Jahren gesehen. Welch eine Wiedersehensfreude! Es war eine würdige Feier, eröffnet mit persönlichen Erinnerungen von Niklaus Brantschen.

Niklaus Brantschen SJ

In seiner ko-kreativen Partnerschaft mit Pia Gyger ist nicht nur die Kontemplations-schule Via Integralis, sondern auch manch anderes großes Projekt entstanden. In einem Radio-Interview von 2005 konnten wir Pia Gyger dann im Originalton hören: Eingängig und klar entfaltet sie ihre mystisch-evolutive Spiritualität, tief verwoben mit der Vision des Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin und ihrem Zen-Erfahrungsweg. Pia Gyger wirbt um das, was wir in unserer Zeit und Welt dringender brauchen denn je: Menschen, die einen Weg nach Innen gehen und ihn wach im Aussen leben.
Wie berührend, Pias Stimme so engagiert und vertraut zu hören und sie zugleich in ausdrucksstarken Bildern auf der Leinwand zu sehen.

Höchst einfühlsam hat Eli Schewa Dreyfus diese und alle anderen Etappen unseres Gedenknachmittags mit Harfenklängen und ihrem bewegenden Gesang umrahmt. Vertiefend hat Regula Tanner ein Gebet von Teilhard de Chardin und eine Lesung aus Lk 12,54 – 57 aufgenommen. Es geht wie schon zu Lebzeiten Jesu um das Erkennen der Zeichen der Zeit. In einer Predigt habe ich darauf Bezug genommen und an Pia’s besondere Begabung erinnert, diese Zeichen für heute zu deuten.

Wie herausfordernd das für das eigene Leben werden kann, veranschaulichte ein von Barbara Alzinger ausgewählter Tagebuchauszug. Pia schildert ihr tiefes Ringen während eines Aufenthaltes in den Philippinen. Erst als sie in den äußeren Symptomen ihrer hartnäckigen Allergie den inneren Widerstand erkennt, sich ganz auf die überwältigende Armut von Manilas Elendsvierteln einzulassen, findet sie in einer wachen Nacht zum klaren Ja. Neue Kräfte werden frei. Und heute wissen wir, dass daraus nicht nur ein höchst fruchtbares Schulungs- und Begegnungsprojekt entstanden ist, sondern auch ein eigener Zweig des Katharina-Werks in den Philippinen.

Die persönlichen Statements, u.a. von Franziska Bolt, Winfried Semmler-Koddenbrock,Margrit Wenk-Schlegel, Anna Gamma und Sibylle Ratsch machten spürbar, wie stark Pia Gyger Menschen in ihrer spirituellen Grundsehnsucht berührt und inspiriert hat, ihrem inneren Ruf zu folgen und einen konkreten Ausdruck zu geben. Stellvertretend für unsere Gemeinschaft würdigte Sibylle Ratsch auch Pia Gygers Bedeutung für das Katharina-Werk, das sie ab Ende der 70er Jahre spirituell und strukturell erneuert hat. Verbunden im Engagement für Frieden und Versöhnung vereinen wir dank dieser mutigen Ausweitung heute eine große Vielfalt an Lebensformen und Glaubenszugehörigkeiten unter einem Dach.

Maria Christina Eggers war beteiligt am Entstehen des sogenannten Jerusalem-Rituals, einem aus Pias inspirierten Texten entfaltetes Stärkungsritual. Mit ihm rundete sie den Anlass zusammen mit Bernadette und Hansruedi Blum ab. Nicht zuletzt erinnerte Anna Gamma als ehemalige Leiterin des Lassalle-Instituts an das Engagement im von Pia Gyger und Niklaus Brantschen initiierten Jerusalem-Projekt. Aus aktuellem Anlass warb sie um Spenden für den langjährigen Ostjerusalemer Projektgefährten Rami Nasrallah und sein Internationales Peace and Cooperation Center (IPCC).

Regina Gürnholz – Koordinatorin der Gedenkfeier

Regina Grünholz dankte als Koordinatorin schließlich im Namen der Via Integralis allen Mitwirkenden und lud zu einem anschliessenden Aperitif mit Imbiss ein. Dort konnte vieles nachklingen und uns wie so manches spätere Feedback spüren lassen, wie wertvoll es war, in Pia Gygers Gedenken zusammen zu kommen.

Stellvertretend für viele nehme ich Zeilen von Mirjam Sabine Makowka auf:

«Gerne möchte ich Euch „DANKE“ sagen für diese vielseitige und so bewusst gestaltete Feier, besonders für Eure persönlichen Beiträge! Sie sind bei mir angekommen als Ausdruck von Wertschätzung und Dankbarkeit für Pias Wirken… Ich bin gestärkt und angereichert nach Hause gefahren nach diesen 3 Stunden von direkten und indirekten Begegnungen und mit einem Empfinden von Frieden. Die Stimme von Eli Schewa und ihre Harfenklänge habe ich als einfühlsam wohltuend erlebt, zauberhaft und verbindend.»

Hildegard Schmittfull, ktw

Weitere Veranstaltungsbilder: (mit -> weiterblättern)

Als bekannt wurde, dass das Katharina-Werk ins Gundeli zieht, war ich begeistert: Noch nie lagen mein Arbeitsort und meine spirituelle Heimat so nahe beieinander. Das ist wunderschön und spiegelt auch meine innere wachsende Verbindung von intellektueller Auseinandersetzung mit Glaubensfragen und spirituellem Weg. Ich bin sehr gespannt, was am neuen Ort gedeihen wird. Der Start fühlt sich jedenfalls gut an, denn das Katharina-Werk findet sich im neuen Quartier in seinen zentralen Themen wieder:

  • Sozial

Das Gundeli ist ein armes Quartier hinter dem Bahnhof, in dem viel verstecktes und offizielles Engagement für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft stattfindet: Da ist zum Beispiel Soup and Chill, die Wärmestube für Menschen, die kein eigenes Wohnzimmer haben.

Gundeldingerfeld

Das alternative Leben im Gundeldingerfeld am Abend

Im Gundeldingerfeld finden sich viele Institutionen vom Lebensmittelrettungsprojekt über das Familienzentrum bis zum WWF. Diese und viele weitere Initiativen und Organisationen sind eine spannende Umgebung für die Frage, ob, wie und wo sich das Katharina-Werk in Zukunft engagieren möchte.

  • Spirituell

Die katholische Kirchgemeinde Heiliggeist und die reformierte Gemeinde Gundeldingen-Bruderholz haben miteinander vor einigen Jahren den Verein OFFLine gegründet, dessen Zweck sie auf der Website so umschreiben:  «OFFLine gestaltet einen Ort am Rand der Stadt, an dem Menschen in die Stille eintauchen können. OFFLine fördert Wege in Stille mitten im Alltag und setzt sich ein für einen achtsamen Umgang der Menschen untereinander und für den Schutz unserer Umwelt.» Sylvia Laumen (ktw) und ich (ktw und via integralis) sind im Beirat, welcher ab diesem Jahr ein Vernetzungsgremium sein wird, in dem die Frage, wie die verschiedenen spirituellen Angebote gut vernetzt und koordiniert werden können, oberste Priorität hat. Noch ist offen, was an Gemeinsamem weiterwachsen wird, aber die Vorzeichen für Vernetzung und Synergie stehen sehr gut.

  • Interreligiös

Das Zwinglihaus hat sich 2017 neu ausgerichtet. Die Kirchgemeinde versteht sich als gastgebende Kirche und das Haus wurde in den letzten sieben Jahren zum Bildungshaus mit Schwerpunkt Theologie, Gesellschaftsfragen und interreligiösem Dialog. Im Quartier sind einige Moscheen und die Basler Muslim-Kommission zuhause und der Dialog mit dem Islam nimmt Themen auf, die gesellschaftlich da sind und die wir im ktw schon seit Jahrzehnten mitgestalten, gemeinsam mit Heidi Rudolf als unserer interreligösen Netzwerkerin.

Mit dem Forum für Zeitfragen zogen auch die christlich-jüdischen Projekte an den neuen Ort und seither wird das Zwinglihaus immer mehr zu einem Kompetenzzentrum für kirchliche Erwachsenenbildung und interreligiösem Dialog der drei abrahamitischen Religionen. Ich selbst bin mit dem Theologiekurs schon seit 2017 und mit dem Forum für Zeitfragen seit drei Jahren im Zwinglihaus präsent. Das Haus hat sich zu einem lebendigen Treffpunkt im Quartier entwickelt: Jeden Morgen kommen vier Klassen zum Deutschkurs für Erwachsene. Dreimal in der Woche gibt es im Backwarenoutlet nicht nur Brot vom Vortag, sondern auch Begegnung, Gespräche und Nachbarschaftshilfe. In der letzten Ludothek Basels kann man für wenig Geld Spielsachen ausleihen.

Die via integralis ist mit umgezogen

Es war uns von der via integralis eine grosse Ehre, dass wir mit umziehen und als erste Gruppe das Haus mit Stille und Kontemplation «vor-einweihen» durften und wir weiterhin in den Räumlichkeiten des ktw zuhause sein können. Ganz grossen Dank an Mona Lutz und Sibylle Ratsch für die vielen grossen und kleinen Lösungen rund um die Nutzung der Räume!

Isabelle Herrmann und ich haben uns schon vor dem Umzug mit Katrin Schulze und Marc-André Wemmer von der Kirchgemeinde Heiliggeist getroffen, uns vorgestellt und besprochen, wie via integralis und Kirchgemeinde miteinander in die Zukunft gehen. Ich war tief beeindruckt von der Freude über unser Kommen und die ökumenische Offenheit, die uns von den beiden Gemeindeleitenden entgegenkam. Wir spüren: Katharina-Werk und via integralis, wir sind willkommen!

Regula Tanner, ktw

 

 

 

 

 

 

Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges beteilige ich mich
regelmässig an der Gestaltung der Friedensgebete in der
Offenen Kirche Elisabethen in Basel.

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