„Wir müssen der Kirche aufs Dach steigen ….“

Bei den Vorbereitungen der Online-Exerzitien suchte ich nach einem Bild für die Bibelstelle Mk 2,1-12:  Es ist die Geschichte, in der vier Freunde einen Gelähmten über ein Dach – durch ein Loch in der Decke – zu Jesus herunterlassen, weil sonst kein Durchkommen zu ihm mögich ist. Bei meiner Suche im Internet bin ich auf dieses Foto gestossen – seitdem beschäftigt es mich…

In der Meditation wurde dieses Bild für mich zu einem Sinnbild der heutigen Kirche:

Unsere Gemeindesäle und Kirchengebäude (und im übertragenen Sinne unsere verfestigten Strukturen) sind zu eng. Dort erreichen wir nicht die Menschen, die Jesus erreichen wollte: die Menschen am Rande der Gesellschaft, die Behinderten, die Armen und Ausgestossenen, die Bettler, Flüchtlinge und die Menschen, die innerhalb der engen Moralvorstellungen «des Gesetzes» keinen Platz finden. Doch gerade zu diesen Menschen ist Jesus gekommen, nicht zu denen, die die Macht haben und wissen, was richtig ist. Natürlich sind unsere Kirchen heute nicht überfüllt, so wie damals das Haus, in dem Jesus predigte. Die Enge heute entsteht dadurch, dass es sehr feste Vorstellungen darüber gibt, was innerhalb der Kirche sein darf und was nicht. Deshalb haben viele darin keinen Platz – andere fühlen sich deshalb nicht mehr richtig am Platz.
Kirche sollte ein Ort sein, in der alle Platz haben und niemand ausgeschlossen wird. Dort, wo es mehr um die eigene Macht geht, als darum Missbrauchopfern beizustehen, wo homosexuellen Paaren der Segen verwehrt wird und wo Frauen auf Grund ihres Geschlechtes diskriminiert und ihnen ihre Berufung abgesprochen wird, finden die Menschen keinen Zugang mehr zur heilenden und befreienden Botschaft Jesu. Heute ist es die Kirche selbst, die gelähmt scheint und dringend der Heilung bedarf.

Wir müssen der Kirche aufs Dach steigen …

Da braucht es Menschen, die der Kirche aufs Dach steigen, den Blick auf den Himmel neu offenlegen, damit frischer Wind hineinbläst. Wie damals beim Gelähmten, braucht es die Solidarität von Menschen, die zusammenhalten und Mühen auf sich nehmen. Wenn ich mich in diese vier hineinversetze, spüre ich Glaube, Hoffnung und Liebe zu diesem Gelähmten. Und, sie nehmen sogar in Kauf, dass dabei etwas Äusseres kaputt geht, damit Heilung geschehen kann.

Ich erlebe in den letzten Monaten viel Solidarität unter den Frauen der #Junia-Initiative in der Schweiz und in Deutschland bei Veranstaltungen von Maria 2.0.,  bei den Menschen, die sich im synodalen Weg einsetzen und bei denen, die sich in der neuen schweizerischen reformkatholischen Organisation «Allianz Gleichwürdig Katholisch» zusammengeschlossen haben. Sie  wecken in mir die Hoffnung, dass die Botschaft Jesu nicht verloren geht. Und ich freue mich, dass in all diesen Initiativen Mitglieder des Katharina-Werkes aktiv sind.
Aber da ist auch eine Sorge: Wieviel mus erst kaputtgehen, eingerissen werden, damit Neues entstehen kann?

Natürlich ist ein Dachschaden keine Dauerlösung. Ein Dach muss fest und dicht sein, damit es Geborgenheit und Sicherheit bietet. Aber muss es das wirklich? Jesus selbst hat sehr unbehaust gelebt und ist durch verschlossene Türen getreten, als sich seine Freunde dahinter verbarrikadieren wollten. Das Wehen der Hl. Ruach hat die Jüngerinnen und Jünger befähigt, Türen und Fenster zu öffnen, um die Menschen neu zu erreichen. Eine Öffnung ist not-wendig!

Sylvia Laumen ktw

 

2 Kommentare
  1. Winfried Semmler-Koddenbrock
    Winfried Semmler-Koddenbrock sagte:

    Liebe Sylvia,
    ein aussagekräftiges Bild, das sprachliche und das optische. Danke für deine Gedanken dazu. Es ist Aufbruch angesagt und Erdung (Herablassen auf den Boden).
    Winfried

    Antworten

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