Lehre mich das Tanzen auf dem Seil

„Gott, ich suche dich!“ Mit diesen Worten beginnt ein Lied von Gregor Linssen, das für viele aus unserer Gemeinschaft eine bedeutsame Rolle spielt. Einige Geschichten dieses Liedes möchte ich gerne erzählen.

Die erste handelt vom Liedermacher Gregor Linssen, den ich seit drei Jahrzehnten kenne und schätze. Ich weiß niemanden, dem es besser gelingt, Text und Musik so aufeinander zu beziehen, dass man spürt, welch tiefe Qualität beides ermöglicht. Das Lied „Gott, ich suche dich“ ist nun 10 Jahre alt. Gregor Linssen hat es in Gedenken an Rolf Gildenast geschrieben, dem er als jungem Tänzer der „Kompagnie Schindowski“ am Musiktheater in Gelsenkirchen tief verbunden war.  Rolf hat zu Gregors Musik getanzt. Auf der Bühne. Leidenschaftlich. Vor zehn Jahren ist Rolf Gildenast auf tragische Weise tödlich verunglückt.

So kommt es zur zweiten Geschichte. Ausgelöst durch den Tod des Freundes ist das Lied entstanden mit der Bitte: „Lehre mich zu tanzen und zu hoffen – auf DICH.“ Ein Lied, das von der Gottsuche erzählt, von Unsicherheit und Angst, vom Licht, das ins Dunkel bricht und von einem Gott, der mich auf Adlerflügeln tragen wird, wenn ich selbst nicht mehr fliegen kann. Ein Lied für einen Tänzer und für uns Tanzende, die wir immer wieder in unserem Leben aus der Balance geraten und unser Gleichgewicht neu justieren müssen.

„Lehre mich das Tanzen auf dem Seil – woah …“ Das ist die dritte Geschichte. Wir singen dieses Lied an Ostern, wenn wir als Katharina-Werk in einem Bildungshaus in der Eifel gemeinsam Ostern feiern. Es sei denn, Corona verhindert die leibhaftige Nähe und es braucht neue Formen der Vergemeinschaftung.

2021 beginnt so die vierte Geschichte. Corona zwingt uns zu digitalen Wegen für die Kar- und Ostertage. Unsere Kinder sind mit der katharinischen Gestaltungsform dieser Tage und der dortigen Musik groß geworden. Sie hatten Lust, das Lied als Musikclip einzuspielen, damit es an Ostern seinen Platz bekommt, gerade weil wir nicht real beieinander sein konnten. Unser Sohn Gregor hat die Musik eingespielt und die ganze Familie mit Freunden und Freundinnen hat in unterschiedlicher Weise mitgewirkt: singend, tanzend, choreographierend etc. Unser Garten gab den Hintergrund.

„Lehre mich das Tanzen auf dem Seil.“ Besser kann man die Osterbotschaft kaum zusammenfassen. Und das Lied wird sicher weitere Geschichten schreiben.

Gott, ich suche DICH

Gott, ich suche DICH,
ich versuche DICH zu finden.
Hilf mir, meine Angst zu überwinden.
Lehre mich das Tanzen auf dem Seil.
Lehre mich zu tanzen.
Lehre mich zu tanzen und zu hoffen.

Ich glaube an DICH, der DU mein Schöpfer bist.
Ich glaube, dass DIR alles möglich ist,
doch zweifle ich noch in dunklen Stunden.
Ich glaube, dass Jesus der Christus ist.
Ein tröstendes Licht, das ins Dunkel bricht.
Doch ist es wirklich wahr, dass der Tod überwunden?

Ich glaube, dass DEIN Geist die Welt durchdringt
und mich als DEIN geliebtes Kind,
doch bleiben so viele offene Fragen.
Gib Kraft und Liebe mir an die Hand,
füll mit Zuversicht meinen Verstand:
DU fängst mich auf auf Adlerflügeln
und wirst mich tragen, wenn ich nicht fliege.

Gott, ich suche DICH,
ich versuche DICH zu finden.
Hilf mir, meine Angst zu überwinden.
Lehre mich das Tanzen auf dem Seil.
Lehre mich zu tanzen.
Lehre mich zu tanzen und zu hoffen – auf DICH.

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