„Unser Leben ist kurz, unser Leben ist lang.
Und voll Staunen stehe ich vor einem Leben,
das seine unerwarteten Wendungen
und seine Geradlinigkeit
hatte…

„Unser Leben ist kurz, unser Leben ist lang.
Und voll Staunen stehe ich vor einem Leben,
das seine unerwarteten Wendungen
und seine Geradlinigkeit
hatte…
ein Leben, von dem ich heute sagen darf: So war es gut.
Ich danke dir, Unfasslicher,
Allumfassender und  Allesdurchwaltender,
Urgrund, Urhalt und Ursinn unseres Seins,
den wir Gott nennen.
Ich danke dir für dieses Leben mit allem
Unerklärlichen und Seltsamen.
Ich danke dir für all die Erfahrungen,
die hellen und die dunklen…
Ich danke dir, mein Gott, denn du bist freundlich
und deine Güte währet ewig.“

(Hans Küng, zitiert aus Christ in der Gegenwart)

Mit diesem Gebet in seinem „Geistlichen Vermächtnis“ starb Hans Küng Anfang April im Alter von 93 Jahren.

Seit meinem Theologie-Studium faszinierten mich besonders Küngs Impulse zum „Christsein“ und zur Gottesfrage. Neue Welten erschlossen sich, nicht nur fürs Studium, sondern besonders für die Lebenspraxis.
Seine Thesen mögen ihren Weg gehen, so formulierte er, „nicht aufgehalten von denen, die überall nach Häresien fahnden, helfend denen, die nicht nur nach einer besseren Christenlehre, sondern vor allem nach einem besseren Christsein fragen.“
Küngs zentrale Themen und Visionen berühren wesentliche Anliegen unserer Gemeinschaft: Ökumene, den Dialog der Weltreligionen und ein alle verbindendes „Weltethos“.
Hans Küng wurde die Lehrerlaubnis entzogen, u.a. weil er die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellte.
Und manches andere mehr – wie den Pflicht-Zölibat und das Priesteramt nur für Männer.
Sein versöhntes Gebet am Lebensende berührt mich.

Seine Gottesnamen führen in eine große Weite und Tiefe. Sie laden mich ein, sie immer weiter zu schreiben:

Unfasslicher, Allumfassender und Allesdurchwaltender. Urgrund. Schöpfer. Heiliger. Ewige.
Geistesgegenwart. Quelle der Lebendigkeit. Auferstehungskraft. Fließendes Licht. Du innerstes
Geheimnis jedes Menschen. Schutz der Würde. Widerstandskraft. Fremder. Ferner und Naher.
Aufmerksamer Blick. Herzens-Stimme. Mut im Dunklen. Grünkraft. Osterfreude.
Sonnenaufgang. Zuhause für immer. Meine Liebe ….

Küng starb am Osterdienstag. In einem Vertrauen, das er selbst so beschreibt: „Ich habe zwar keine Beweise, aber sehr wohl gute Gründe, warum ich der Überzeugung bin, dass mein Leben nicht einfach ins Nichts geht, wie auch der Kosmos nicht aus dem Nichts kommen kann. Sondern dass ich in eine erste-letzte Wirklichkeit hineinsterbe, die wir Gott nennen.“
Möge er nun aufgehoben sein für immer im Osterlicht!

Lisa Wortberg-Lepping, ktw

 

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